Wer beim Sommerfest des EHC Waldkraiburg aufmerksam zugehört hat, dürfte von den beiden Namen bereits gehört haben. Nun sollen die zwei Neuzugänge auch noch einmal etwas ausführlicher vorgestellt werden.
Mit dem russischen Verteidiger Dmitry Sergejev und dem finnischen Angreifer Mikko Haaparanta verstärken zwei Spieler die Löwen, deren bisherige Laufbahnen sie durch einige hochklassige Eishockeyligen geführt haben. Während der Wechsel von Sergejev bereits seit etwas längerer Zeit feststand, entwickelte sich die Personalie Haaparanta beinahe zu einer Punktlandung. Der Kontakt zum 28-jährigen Finnen bestand zwar schon länger, die endgültige Zusage erreichte die Verantwortlichen jedoch tatsächlich erst am Tag des Sommerfests. Gerade noch rechtzeitig also, um auch ihn den anwesenden Fans erstmals als neuen Löwen präsentieren zu können. Beide Spieler kommen mit reichlich Erfahrung nach Waldkraiburg – allerdings mit völlig unterschiedlichen Lebensläufen.
Dmitri Sergejev stammt aus Tscheljabinsk, einer russischen Millionenstadt unweit des Uralgebirges, in der Eishockey fest zum sportlichen Leben gehört. Ausgebildet wurde der heute 30-jährige Verteidiger im Nachwuchs von Traktor Tscheljabinsk, einer der bekannten Talentschmieden des Landes. Schon früh gehörte Sergejev zu den auffälligeren Spielern seines Jahrgangs. In der Saison 2011/2012 sammelte der damals 15-Jährige in 34 Spielen für die U16 von Traktor als Verteidiger zwölf Tore und 14 Vorlagen. Ein Jahr später folgten weitere 16 Punkte in 28 Partien für die U17. Leistungen, die auch den Verantwortlichen der russischen Nachwuchsnationalmannschaften nicht verborgen blieben. Mit der russischen U17 nahm Sergejev an der Weltmeisterschaft seiner Altersklasse teil und gewann die Silbermedaille. Drei Jahre später stand er auch bei der U20-Weltmeisterschaft im russischen Aufgebot. Erneut führte der Weg bis ins Finale, erneut endete das Turnier mit Silber. Dass Sergejev bereits als Jugendlicher nicht nur in Russland als interessanter Spieler galt, zeigt sein früher Wechsel nach Kanada. Drei Spielzeiten lang lief der Linksschütze für die Kitchener Rangers in der Ontario Hockey League auf. In insgesamt 138 Hauptrundenspielen erzielte er neun Tore und bereitete 44 weitere Treffer vor.
Nach seiner Juniorenzeit blieb der heute 1,91 Meter große und 91 Kilogramm schwere Verteidiger zunächst in Nordamerika. In der ECHL spielte er für die Missouri Mavericks, die Norfolk Admirals und die Tulsa Oilers. Besonders in Tulsa wusste er sich auch offensiv einzubringen und kam in 56 Partien auf drei Treffer und 19 Vorlagen. Zudem durfte Sergejev zweimal für die San Antonio Rampage in der American Hockey League auflaufen. Die AHL ist direkt unterhalb der NHL angesiedelt und gilt als deren wichtigste Entwicklungsliga. Zwei Einsätze ergeben noch keine große AHL-Karriere, zeigen aber durchaus, auf welchem sportlichen Niveau sich der Verteidiger in dieser Phase bewegte. Im Anschluss kehrte Sergejev nach Europa zurück. Es folgten Stationen in Kasachstan und insbesondere in der russischen VHL, der zweithöchsten Spielklasse des Landes. Mehr als 200 Partien absolvierte er dort für verschiedene Vereine.
Seine offensiv stärkste VHL-Saison spielte er 2022/2023 für Omskie Krylia. Acht Tore und neun Vorlagen in 45 Begegnungen zeigen, dass Sergejev nicht ausschließlich für die Arbeit in der eigenen Zone zuständig ist. Auch einen Meistertitel bringt der Verteidiger mit nach Waldkraiburg. Mit Arlan Kokshetau gewann Sergejev die kasachische Meisterschaft. In 25 Haupt- und Play-off-Spielen dieser Saison gelangen ihm sechs Tore und vier Vorlagen. Zuletzt stand der Linksschütze erneut für HK Tambov in der VHL auf dem Eis. Nun führt ihn seine Laufbahn erstmals nach Deutschland – und durchaus überraschend in die Bayernliga zum EHC Waldkraiburg.
Mit seiner Größe, seiner Erfahrung und seiner Ausbildung auf international hohem Niveau soll Sergejev der Waldkraiburger Defensive zusätzliche Stabilität verleihen. Wie schnell er sich an die neue Liga und deren Besonderheiten gewöhnen wird, bleibt abzuwarten. Seine bisherige Laufbahn zeigt allerdings, dass der Verteidiger bereits einige sehr unterschiedliche Eishockeywelten kennengelernt hat. Sergejev wird mit der Nummer 96 bei den Löwen auflaufen.
Weniger Länder, dafür umso mehr Verbundenheit zu einem Verein finden sich im Lebenslauf von Mikko Haaparanta.
Schon sein Nachname ist etwas für Freunde ungewöhnlicher Statistiken. Fünf der zehn Buchstaben sind ein „a“. Noch interessanter als diese bemerkenswerte Buchstabenverteilung ist allerdings das, was der finnische Angreifer bislang auf dem Eis vorzuweisen hat. Haaparanta wurde im finnischen Imatra geboren und im Nachwuchs von Ketterä ausgebildet. Abgesehen von einzelnen Leihgeschäften und einer zwischenzeitlichen Station bei TUTO Hockey verbrachte er nahezu seine gesamte bisherige Karriere bei seinem Heimatverein. Ganz ohne bekanntes Gesicht muss er seine neue Aufgabe in Waldkraiburg übrigens nicht antreten. Haaparanta und Löwen-Angreifer Santeri Ovaska sind ähnlich alt, wuchsen im selben finnischen Ort auf und spielten gemeinsam im Nachwuchs von Ketterä. Dieser Umstand half sicher auch bei der Entscheidung nun grenzüberschreitend spielen zu wollen. Haaparanta arbeitete sich bei Ketterä Schritt für Schritt durch die Nachwuchsmannschaften. Besonders in seinen letzten Juniorenjahren zeigte er deutlich, dass er für größere Aufgaben bereit war.
In der Saison 2015/2016 erzielte er für die U20 von Ketterä 16 Tore und bereitete 22 weitere vor. Zwei Jahre später steigerte er diese Ausbeute noch einmal deutlich. In 36 Hauptrundenspielen gelangen ihm 30 Treffer und 28 Vorlagen.
Diese Leistungen öffneten ihm endgültig die Tür zum Senioreneishockey.
Seit der Saison 2018/2019 gehörte Haaparanta regelmäßig zum Aufgebot von Ketterä in der Mestis, der zweithöchsten finnischen Spielklasse. Gleich in seiner ersten vollständigen Saison bei den Senioren absolvierte der Angreifer 32 Hauptrunden- und 14 Play-off-Spiele. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einer festen Größe im Team. Seine statistisch stärkste Spielzeit erlebte Haaparanta 2022/2023. In 42 Hauptrundenpartien erzielte er 17 Tore und legte 15 weitere auf. In den Play-offs folgten in 16 Spielen noch einmal acht Treffer und sechs Vorlagen. Ein Jahr später bestätigte er diese Leistungen. Als Assistenzkapitän kam der Finne in 41 Begegnungen auf 13 Tore und 21 Assists. Auch in den Play-offs blieb er mit vier Treffern und sechs Vorlagen aus zehn Partien ein wichtiger Faktor. Haaparanta war damit über mehrere Jahre hinweg nicht nur ein regelmäßiger Scorer, sondern auch ein Spieler, dem innerhalb der Mannschaft Verantwortung übertragen wurde. Zusätzlich erhielt der Stürmer mehrfach die Gelegenheit, sich in der höchsten finnischen Spielklasse zu zeigen. Fünf Einsätze absolvierte er auf Leihbasis für SaiPa, zwei weitere für JYP. Der dauerhafte Sprung in die Liiga gelang ihm zwar nicht, dennoch bewegte sich Haaparanta über viele Jahre direkt unterhalb dieser Spielklasse. In der vergangenen Saison lief er erneut für Ketterä auf. In 38 Hauptrundenspielen erzielte er vier Tore und bereitete acht weitere Treffer vor. In den Play-offs steigerte er sich noch einmal und kam in 15 Begegnungen auf vier Tore sowie drei Vorlagen.
Nun wagt der Finne erstmals den Schritt ins Ausland.
Beim EHC Waldkraiburg trifft Haaparanta auf eine völlig neue Liga und ein für ihn ungewohntes Umfeld. Die Zahlen seiner bisherigen Karriere lassen auf einen Angreifer schließen, der selbst abschließen kann, zugleich aber auch den Blick für seine Mitspieler besitzt. Dennoch wäre es unseriös, aus seiner Mestis-Vergangenheit bereits eine garantierte Torquote für die Bayernliga abzuleiten. Eine neue Mannschaft, neue Mitspieler und eine andere Art von Eishockey verlangen zunächst eine gewisse Eingewöhnung. Die Voraussetzungen bringt Haaparanta zweifellos mit. Er verfügt über viele Jahre Erfahrung in einer starken europäischen Liga, hat dort konstant offensiv produziert und mehrfach bewiesen, dass er gerade in Play-off-Spielen noch einmal zulegen kann. Die Rückennummer von Haaparanta wird die 28 sein.
Mit Dmitri Sergejev und Mikko Haaparanta erhalten die Löwen somit Verstärkung aus zwei großen Eishockeynationen. Der eine bringt Erfahrung aus Russland, Kanada, den USA und Kasachstan mit. Der andere verbrachte den größten Teil seines bisherigen Eishockeylebens bei einem einzigen finnischen Verein – und trifft in Waldkraiburg auf einen alten Weggefährten aus Jugendtagen.
Wie beide auf dem Waldkraiburger Eis auftreten werden, wird sich erst ab Herbst zeigen. Ihre bisherigen Laufbahnen machen jedoch zweifellos neugierig.
Tervetuloa, Mikko. Добро пожаловать, Dmitry.
Willkommen in Waldkraiburg.







