Aktuell

Nächstes Spiel der Löwen

Naechstes Spiel

Raiffeisen-Arena Waldkraiburg
Logo EHC WaldkraiburgEHC Waldkraiburg
Logo ESC GeretsriedESC Geretsried

Bayernliga 26/27 Vorbereitung · 26/27

Livestream

Sprade.tv

Selbst wenn es nur ein Vorbereitungsspiel war: Ein Duell mit den Dorfener Nachbarn, einen Landkreis weiter, hat für den EHC Waldkraiburg immer auch etwas mit Prestige zu tun. So war es auch beim für beide Mannschaften insgesamt zweiten Vorbereitungsspiel mit Blick auf die anstehende Bayernligasaison 2026/2027, das am vergangenen Freitagabend um 20:00 Uhr in Dorfen stattfand.

Die Gastgeber hatten den Löwen dabei mindestens eine Sache voraus: Sie sind Eigentümer ihres Stadions und genossen bereits in der vergangenen Woche ihr erstes Heimspiel auf eigenem Eis. Die Löwen hingegen konnten in dieser Woche lediglich einmal trainieren, da das Eis in der heimischen Raiffeisen-Arena erst am Donnerstag vollständig bespielbar fertiggestellt worden war. Auch aus diesem Grund hatte Waldkraiburg in Sachen Rhythmus und Eiszeit noch einen kleinen Rückstand, der nun mit den regelmäßigen Trainingseinheiten Stück für Stück aufgearbeitet werden kann.

Überraschend schnell nahm das Spiel Fahrt auf. Bereits nach einer gespielten Minute startete Nico Vogl den ersten vielversprechenden Durchbruch bis vor das Tor von Dorfens Schlussmann Andreas Marek. Dieser packte zunächst sicher zu und begrub die Scheibe unter seiner Fanghand. Doch nur rund 40 Sekunden später blitzte bereits die Genialität des Duos Vogl/Šrámek auf, der offenbar auch eine lange Sommerpause samt Trainingsrückstand wenig anhaben kann. Vogl bediente den wartenden Šrámek mustergültig, dieser schlängelte sich an mindestens zwei Gegenspielern vorbei, verlud Marek und netzte rechts unten zum frühen 0:1 ein.

Doch die Gastgeber ließen sich davon nicht lange beeindrucken. Zwar dauerte es ein wenig, bis die Dorfener Maschinerie ins Laufen kam, nach gut fünf Minuten wussten die Eispiraten die Partie jedoch wieder auszugleichen. Lucas Breault, der in der vergangenen Saison satte 109 Punkte für Dorfen in der Landesliga erzielte, zeigte damit früh, dass seine Qualitäten auch in der Bayernliga funktionieren. Im weiteren Verlauf des ersten Drittels hatten die Löwen spielerisch leichte Vorteile, auch wenn auf der Anzeigetafel zunächst nichts mehr passieren sollte. Mehrere Strafzeiten überstand Waldkraiburg schadlos. Die Unterzahlsituationen spielten die Löwen streckenweise sogar sehr dominant und erarbeiteten sich auch mit einem Mann weniger eigene Möglichkeiten, die letztlich jedoch ohne zählbaren Erfolg blieben.

Der zweite Durchgang war weder von der einen noch von der anderen Seite etwas für Eishockey-Feinschmecker. Bei den Löwen entstand phasenweise der Eindruck, dass man sich – auch aufgrund des fehlenden Trainings – die Kräfte ein wenig genauer einteilte. Die großen Vorstöße blieben weitgehend aus. Auch die Eispiraten verspürten ihrerseits keinen allzu großen Drang, in jeder Situation mit 100 Prozent ins Risiko zu gehen, weshalb dieser Abschnitt wohl am ehesten als taktisch geprägt bezeichnet werden konnte.

Dennoch waren es die Gastgeber, die nach gut der Hälfte der Spielzeit die nächste Veränderung auf der Anzeigetafel herbeiführten. Eine kanadische Co-Produktion lieferten dabei Neuzugang Cheyne Matheson und erneut Lucas Breault. Matheson ging einem verunglückten Abschlussversuch von Lauffer nach, ehe Breault im Nachfassen zur Stelle war und die Scheibe zwischen Tobias Sickingers Beinen hindurch zum 2:1 einschieben konnte. Mit diesem Spielstand ging es für beide Teams anschließend in die Kabinen.

Zu Beginn des finalen Durchgangs konnte man, sofern man zu den mehr als 100 mitgereisten Löwen-Fans gehörte, durchaus noch ein wenig schläfrig wirken. Doch im Gegensatz zum eher gemächlichen zweiten Drittel hatte der Schlussabschnitt wieder deutlich mehr zu bieten. Sämtliche Akteure schienen in der Pause neue Energie getankt zu haben und bliesen nun zum Endspurt.

Die Löwen legten zunächst ihre Hand auf das Spiel und setzten Dorfen zunehmend unter Druck. Dennoch waren es die Gastgeber, die bis dahin die beste Möglichkeit des Drittels verbuchen konnten. Tobias Cramer hatte in der sechsten Minute des Schlussabschnitts die Scheibe beinahe schon an Sickinger vorbeigebracht. Waldkraiburgs Schlussmann reagierte jedoch schnell, setzte sich kurzerhand auf die Scheibe, machte sich lang und begrub das Spielgerät unter sich.

Wenige Minuten später war es dann Leon Decker, der den Löwen mit einem sehenswerten Treffer den verdienten Ausgleich bescherte. Hinter dem eigenen Tor holte sich der Angreifer die Scheibe ab, fuhr – von erstaunlich passiven Dorfenern begleitet – beinahe über das komplette Eis bis vor das gegnerische Tor und schloss sehenswert ins rechte obere Eck zum 2:2 ab.

Nur eine Minute später warteten die Löwen mit dem nächsten starken Treffer auf. Von der blauen Linie ließ Jakub Šrámek einen regelrechten Strahl in Richtung Dorfener Tor los. Santeri Ovaska hatte dabei noch seinen Schläger im Spiel, weshalb der Treffer letztlich ihm zugeschrieben wurde. Damit hatten die Löwen das Spiel binnen kürzester Zeit gedreht und führten plötzlich mit 3:2.

Dorfen war nun jedoch wieder hellwach und erhöhte seinerseits den Druck. Zunächst zog Sebastian Kosmann den Unmut der Waldkraiburger Anhänger auf sich, als er seinen Treffer zum 3:3 nur rund eine Minute später demonstrativ vor dem Löwen-Anhang feierte. Weitere drei Minuten später war es Sandro Schropfer, der die Partie erneut zugunsten der Gastgeber drehte und zum 4:3 traf.

Doch auch damit war dieser wilde Schlussabschnitt noch lange nicht beendet. Rund zwei Minuten vor dem Ende schlugen die Löwen ihrerseits wieder zurück. Nico Vogl hielt seinen Schläger in einen Schlenzer von Džeriņš und fälschte die Scheibe unhaltbar zwischen Mareks Beinen hindurch zum 4:4 ab. Anschließend warfen die Löwen noch einmal alles nach vorne. Zum einen wollte man das vorhandene Momentum nutzen, zum anderen eine Overtime in einem Vorbereitungsspiel möglichst vermeiden.

Genau dieser Mut sollte sich allerdings fünf Sekunden vor dem Ende rächen. Dorfen kam noch einmal zum Konter und erneut war es Lucas Breault, der zur Stelle war. Mit seinem dritten Treffer des Abends besiegelte er praktisch mit der Schlusssirene den 5:4-Endstand zugunsten der Eispiraten.

Alles in allem war es unter den gegebenen Umständen dennoch ein gutes Vorbereitungsspiel der Löwen. Erfreulich war zunächst, dass sich auf Waldkraiburger Seite niemand verletzte. Zudem zeigte die Mannschaft, dass sie trotz des bislang deutlich geringeren Trainingsumfangs und der fehlenden regelmäßigen Eiszeiten nicht nur mithalten, sondern die Partie phasenweise auch selbst bestimmen konnte. Vier erzielte Treffer und unterschiedliche Spieler, die im entscheidenden Moment Verantwortung übernahmen, sind in dieser frühen Phase der Vorbereitung ebenfalls ein positives Zeichen.

Dass es am Ende ausgerechnet fünf Sekunden vor Schluss noch zur Niederlage kam, dürfte aus Löwen-Sicht zwar ärgerlich gewesen sein. Für ein Vorbereitungsspiel lieferte die Partie jedoch genau das, was man sich von einem solchen Test erhofft: Tempo, Fehler, gute Aktionen, Erkenntnisse für das Trainerteam – und reichlich Stoff, an dem in den kommenden Trainingseinheiten gearbeitet werden kann.