Das nächste Spiel der Löwen
Wenn man von einem „Finale“ spricht, entsteht im Kopf des Zuhörers meist ein Bild von etwas Großem und Ehrwürdigem. Zwei Athleten oder Mannschaften, die zu den Besten ihres Fachs gehören, duellieren sich, um festzustellen, wer am Ende die Krone tragen darf. Weit entfernt vom Glamour dieser Vorstellung findet jedoch das Finale der Play-Down-Serie der Eishockey-Bayernliga statt. Es ist vielmehr als letzte Möglichkeit zu verstehen, eine schwierige Saison doch noch zu retten. In dieser Spielzeit treffen hier der EHC Waldkraiburg und – wie schon vor drei Jahren – der EC Pfaffenhofen aufeinander. Und im ersten von maximal sieben Aufeinandertreffen hatten die Waldkraiburger Löwen dabei klar die Nase vorne.
Wie prognostiziert fehlten den Löwen auch in diesem Spiel erneut einige Stammkräfte. Allen voran Puck-Künstler Jakub Šrámek, aber auch Santeri Ovaska, Tim Ludwig, Bastian Rosenkranz und Daniel Hora standen nicht zur Verfügung. Unterstützung erhielt die Mannschaft dafür aus Landshut: Vom U20-Team des EV Landshut rückte der 17-jährige Julian Lier in den Kader, der auch in dieser Partie durchgehend zu überzeugen wusste und sich nahtlos in das Waldkraiburger Spiel einfügte.
Als ausgeglichen konnte man den ersten Durchgang am Freitagabend zunächst noch beschreiben. Beide Teams schienen genau zu wissen, worum es in dieser Serie geht, und suchten entsprechend konzentriert nach ihren Möglichkeiten. Nach rund fünf Minuten brach dann Nico Vogl auf seiner linken Seite im Vorstoß durch. Ein weiterer Pfaffenhofener Verteidiger rutschte auf dem glatten Untergrund aus, sodass Waldkraiburgs Kapitän bis auf Höhe der Grundlinie vordringen konnte. Von dort spielte er einen halbhohen Pass in Richtung Tor, der zunächst etwas missglückt wirkte – doch genau dieser Puck wurde zum Problem für den Pfaffenhofener Torhüter. Der Puck prallte von der Rückseite seines Helmes ab und sprang von dort zum 1:0 in das Netz.
In der Folge entwickelte sich ein eher chancenarmes Spiel, das dennoch lebhaft zwischen beiden Seiten des Feldes hin und her wogte. Eine der besseren Möglichkeiten der Gäste hatte Oliver Eckl, der während einer Überzahlsituation frei auf der linken Seite zum Abschluss kommen konnte. Doch der Pfaffenhofener Stürmer bekam seinen Schläger nicht mehr rechtzeitig an den Pass. Drei Minuten vor der ersten Pausensirene fiel schließlich das nächste Tor für die Löwen – und eines, das zeigt, dass die Durststrecke von Anthony Dillmann endgültig beendet scheint. Dillmann positionierte sich vor dem Tor, als René Mertz von der blauen Linie abzog. Statt hektisch zu reagieren, nahm Dillmann den Puck ruhig auf, legte ihn sich zurecht, wartete auf die sich öffnende Lücke und schob die Scheibe überlegt zum 2:0-Pausenstand ins Netz.
Der zweite Durchgang begann dann besser, als man es sich in der Löwen-Kabine hätte ausmalen können – mit einem wahren Doppelschlag. Das 3:0 fiel nach nur 29 Sekunden und war eine echte Lode-Lode-Co-Produktion. Nach einem Schussversuch von Philipp Lode landete der Abpraller bei seinem Cousin Felix, der die Scheibe aus spitzestem Winkel per Rückhand im Tor unterbrachte. Gerade einmal 21 Sekunden später folgte bereits der nächste Treffer der Hausherren. Wieder war Anthony Dillmann beteiligt, der Florian Maierhofer mit einem perfekten Zuspiel in Szene setzte. Maierhofer tauchte allein vor Pfaffenhofens Schlussmann Kornreder auf, blieb eiskalt und schob die Scheibe links unten zum 4:0 über die Linie.
Spätestens jetzt übernahmen die Löwen endgültig das Kommando in dieser Partie. Waldkraiburg schnürte die Gäste immer häufiger im eigenen Drittel ein – und das funktionierte sowohl bei gleicher Spielerzahl als auch während eigener Unterzahlphasen erstaunlich gut. Rund acht Minuten nach Beginn des Drittels jubelten die 568 Zuschauer in der Raiffeisen-Arena erneut, diesmal auch über eine schöne Szene mit Beteiligung von Julian Lier. Nach einem langen Pass war der junge Landshuter beinahe frei durch und auf dem Weg zum Gästetor. Zwar konnte Pfaffenhofens Anton Münzhuber ihm den Puck noch vom Schläger spitzeln, doch landete die Scheibe direkt beim mitgelaufenen Philipp Lode. Dieser nahm den Puck aus dem Halbfeld auf und vollendete entschlossen zum 5:0.
Wie schnell es jedoch auch in einem dominanten Spiel gefährlich werden kann, zeigte sich in der 33. Minute. Nach einem schnellen Konter der Gäste stand Robert Gebhardt plötzlich frei vor Christoph Lode im Waldkraiburger Tor. Der Pfaffenhofener Stürmer spielte die Situation sauber aus und verkürzte zum 5:1, was gleichzeitig den Spielstand zur zweiten Pause bedeutete.
Unbeeindruckt von diesem Gegentreffer kehrten die Löwen zum Schlussdrittel aufs Eis zurück und setzten ihre starke Vorstellung fort. In der 44. Minute agierte Waldkraiburg in Überzahl und hatte sich im Drittel der Gäste festgesetzt. Der erste Abschluss von Andris Džeriņš wurde noch geblockt, doch der lettische Angreifer blieb dran. Beim zweiten Versuch setzte er den Puck präzise in den linken oberen Winkel – diesmal hinter Fabio Marx, der zur zweiten Hälfte des Spiels für Kornreder zwischen die Pfosten gerückt war.
Nur zwei Minuten später ließ Waldkraiburg endgültig keinen Zweifel mehr am Ausgang dieser Partie. Anthony Dillmann startete von der eigenen Grundlinie aus mit dem Puck am Schläger zu einem bemerkenswerten Solo. Der Stürmer ließ dabei nicht weniger als fünf Pfaffenhofener Feldspieler stehen, ehe er auch den sechsten Mann im Gäste-Trikot – den Torhüter – überwand und den Puck halbhoch rechts zum 7:1 ins Netz setzte.
In der verbleibenden Spielzeit schalteten die Löwen einen Gang zurück, ohne dabei jedoch die notwendige Konzentration zu verlieren. Man spielte kontrolliert und ließ den Gästen kaum noch Möglichkeiten, zurück ins Spiel zu finden. Zwei Minuten vor dem Ende gelang Pfaffenhofen durch Weber zwar noch ein schöner Treffer zum 7:2, doch nur 46 Sekunden später stellten die Löwen den alten Abstand wieder her. Džeriņš setzte sich in eigener Unterzahl auf der rechten Seite durch und bediente Florian Maierhofer im Slot. Dieser ließ sich nicht zweimal bitten und erzielte mit seinem zweiten Treffer des Abends den 8:2-Endstand.
Damit erwischte der EHC Waldkraiburg einen nahezu perfekten Start in die finale Serie der Saison und sicherte sich im ersten Spiel der Best-of-Seven-Serie eine deutliche Führung.
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EHC Waldkraiburg – EC Pfaffenhofen 8:2 (2:0, 3:1, 3:1).
Tor: [X] Lode (#40), Englbrecht (#45); Verteidigung: #5 Mertz, #10 F. Lode, #20 Rott, #50 Kokeš, #81 Cejka, #90 Loboda; Angriff: #7 P. Lode, #11 Dillmann, #25 Džeriņš, #34 Decker, #52 Lier, #63 Ruß, #68 Rosenkranz, #74 Maierhofer, #88 Vogl, #92 Revaj, #98 Zimmermann; Tore: 1:0 (5.) Vogl (Cejka); 2:0 (17.) Dillmann (Mertz, Vogl); 3:0 (21.) F. Lode (P. Lode, Decker); 4:0 (21.) Maierhofer (Dillmann, Vogl); 5:0 (28.) P. Lode (Lier, Rott); 5:1 (33.) Gebhardt (Eckl, Weber); 6:1 (44.) Džeriņš (Vogl, Decker, PP1); 7:1 (46.) Dillmann; 7:2 (58.) Weber (Gebhardt, Eckl); 8:2 (59.) Maierhofer (Džeriņš, Cejka, SH1); Zuschauer: 568, Strafen: Waldkraiburg 10 – Pfaffenhofen 10.














