Die wichtigste Personalie auf der Waldkraiburger Trainerbank ist bereits seit einiger Zeit geklärt. Jürgen Lederer wird die Löwen auch in der kommenden Bayernliga-Saison als Headcoach führen. Nun steht fest, dass auch der Mann an seiner Seite bleibt: Jan Loboda geht beim EHC Waldkraiburg in eine weitere Spielzeit als Co-Trainer.

Damit setzt der Verein nicht nur auf Kontinuität, sondern behält einen Mann im Trainerteam, bei dem die Bezeichnung „Co-Trainer“ beinahe ein wenig zu kurz greift. Loboda ist kein stiller Assistent, der während eines Spiels lediglich die Tür zur Spielerbank öffnet und gelegentlich zustimmend nickt. Er ist präsent, direkt und ein echter Typ. Einer, der aufgrund seiner eigenen Laufbahn genau weiß, wann eine deutliche Ansage notwendig ist – und wann ein Spieler eher jemanden braucht, der ihn ermutigt, sich endlich etwas zuzutrauen. Gerade für die jüngeren oder noch etwas zaghaften Akteure im Waldkraiburger Kader kann Loboda damit ein wichtiger Faktor sein. Nicht jeder Spieler betritt das Eis mit dem Selbstverständnis, ab dem ersten Wechsel Verantwortung zu übernehmen, einen riskanten Pass zu spielen oder sich einem körperlich überlegenen Gegenspieler entgegenzustellen. Manchmal braucht es jemanden, der einen jungen Spieler ein wenig anschiebt. Und Loboda dürfte eher nicht zu den Trainern gehören, die dafür eine besonders zarte Formulierung wählen. Dass er weiß, wovon er spricht, dürfte ohnehin niemand ernsthaft bezweifeln.

Der gebürtige Slowene kann auf eine lange und abwechslungsreiche Spielerkarriere zurückblicken. Bereits als Jugendlicher lief er in der höchsten slowenischen Spielklasse auf und vertrat sein Heimatland bei U18- und U20-Weltmeisterschaften. Später folgten auch Einsätze für die slowenische Nationalmannschaft. Seine Laufbahn führte ihn unter anderem in die Slowakei, nach Nordamerika, Kroatien und Dänemark. Mit Olimpija Ljubljana gewann er die slowenische Meisterschaft, für Medveščak Zagreb zeigte er eindrucksvoll, dass er als Verteidiger nicht nur vor dem eigenen Tor aufräumen, sondern sich auch offensiv einbringen konnte. Überhaupt war Loboda als Spieler nie ein Verteidiger, der sich ausschließlich auf die geräuschlose Verwaltung der eigenen Zone beschränkte. Er schaltete sich nach vorne ein, besaß einen ausgeprägten Offensivdrang und konnte einem Gegner sowohl die spielerischen als auch die körperlichen Grenzen aufzeigen. Wer glaubte, sich ungestört im Waldkraiburger Drittel bewegen zu dürfen, erhielt die entsprechende Rückmeldung meist zeitnah und ohne unnötige Umwege. Dass dabei nicht immer alles vollkommen geräuschlos ablief, verrät auch seine Statistik. Im Durchschnitt sammelte Loboda 1,48 Strafminuten pro Bayernliga-Partie. Ein Kind von Traurigkeit war der Rechtsschütze auf dem Eis also keinesfalls. Haken, Beinstellen und Halten stehen ganz oben in seinem persönlichen Sündenregister. Dahinter folgen unter anderem unnötige Härte, Stockchecks und unkorrekte Körperangriffe. Oder etwas weniger statistisch ausgedrückt: Loboda fand im Laufe seiner Karriere verschiedene Möglichkeiten, einen Gegenspieler daran zu hindern, das zu tun, was dieser ursprünglich vorhatte.

Nach seinem Abstecher zu den Rungsted Cobras nach Dänemark führte ihn sein Weg während der Saison 2009/2010 erstmals nach Waldkraiburg. Schon in seinen ersten zwölf Haupt- und Relegationsspielen für die Löwen erzielte der Verteidiger sechs Tore und bereitete neun weitere Treffer vor. In der folgenden Landesliga-Saison tat Loboda dann Dinge, die für einen Verteidiger zumindest nicht vollkommen alltäglich sind: In 24 Spielen erzielte er 34 Tore und kam insgesamt auf 55 Punkte. Man darf an dieser Stelle vermutlich festhalten: Jan Loboda war damals nicht ausschließlich mit der Absicherung der blauen Linie beschäftigt. Auch nach der Rückkehr in die Bayernliga blieb er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. In der Saison 2011/2012 kam er in 39 Partien auf 14 Tore und 18 Vorlagen. Mit 32 Punkten war es seine punktbeste dokumentierte Bayernliga-Spielzeit. Der Blick auf HockeyStats.bayern zeigt zudem einige schöne Randnotizen aus seiner langen Waldkraiburger Laufbahn. So erzielte Loboda 21 seiner dokumentierten Treffer im Powerplay, punktete einst in acht aufeinanderfolgenden Einsätzen und stand in insgesamt 142 Spielen gemeinsam mit Thomas Rott auf dem Eis – häufiger als mit jedem anderen Mitspieler. Eine besonders passende Verbindung findet sich ebenfalls in den Zahlen: Einer der häufigsten Abnehmer seiner Vorlagen war Jürgen Lederer. Fünf Tore des heutigen Headcoaches wurden von seinem jetzigen Co-Trainer vorbereitet. Früher legte Loboda für Lederer auf, heute legen beide gemeinsam die sportliche Richtung der Mannschaft fest. Manchmal schreibt Eishockey seine Geschichten erfreulich passend. Nach mehreren Jahren abseits der ersten Mannschaft kehrte Loboda zur Saison 2021/2022 noch einmal in den Bayernliga-Kader zurück. Und auch im fortgeschrittenen Eishockeyalter war er keineswegs nur eine nostalgische Ergänzung. In 33 Partien erzielte er sechs Tore und bereitete 14 weitere vor. Ein Jahr später folgten in Haupt- und Abstiegsrunde noch einmal neun Treffer und 18 Assists.

Dass Waldkraiburg längst mehr als nur eine ehemalige Station seiner Spielerkarriere geworden ist, zeigte sich in der vergangenen Saison noch einmal besonders deutlich. Obwohl Loboda inzwischen als Co-Trainer tätig war und seine aktive Laufbahn eigentlich beendet schien, warf er sich bei akuter Personalnot noch einmal das Trikot über. In Haupt- und Abstiegsrunde stand er viermal für die Löwen auf dem Eis und bereitete im entscheidenden Saisonabschnitt sogar noch einen Treffer vor. Mit 40 Jahren, nach einer langen internationalen Laufbahn und bereits in einer Trainerfunktion hätte es genügend nachvollziehbare Gründe gegeben, die Schlittschuhe nicht noch einmal für ein Bayernliga-Spiel zu schnüren. Loboda tat es trotzdem. Weil die Mannschaft ihn brauchte.

Nun wird seine Hauptaufgabe weiterhin neben und hinter der Bande liegen. Gemeinsam mit Jürgen Lederer soll Loboda die Mannschaft auf die neue Saison vorbereiten, während der Spiele unterstützen und insbesondere den jungen Akteuren bei ihren nächsten Entwicklungsschritten helfen. Dabei ergänzen sich beide Trainer nicht nur aufgrund ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Lederer bleibt als Headcoach für die sportliche Gesamtlinie verantwortlich, während Loboda seine Erfahrung, seine Direktheit und seine natürliche Präsenz einbringt. Er kennt internationales Eishockey. Er kennt die Bayernliga. Er kennt den Verein. Vor allem aber kennt er die Situationen, in denen ein Spieler eine klare Ansage benötigt – oder einen Schubs, damit er auf dem Eis nicht länger vorsichtig fragt, ob er etwas versuchen darf. Jan Loboda bleibt damit genau dort, wo er für die Löwen besonders wertvoll ist: nah an der Mannschaft, nah am Spiel und vermutlich nie sonderlich weit von der nächsten deutlichen Ansage entfernt.

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