Das nächste Spiel der Löwen
Es scheint fast wie ein Fluch im Hause EHC Waldkraiburg. Wo es in dieser Saison für die Löwen in der Eishockey-Bayernliga lange gar nicht so schlecht lief, ist nun der Wurm drin – und das ist, passend zur Faschingszeit, ganz sicher nicht der Gaudiwurm. In der Verteidigung konnte Trainer Jürgen Lederer wieder auf Daniel Hora zurückgreifen, der in der Vorwoche in Geretsried noch gefehlt hatte und dessen Präsenz sofort wieder Stabilität in die Defensive bringen sollte. Zudem füllte er die Reihen mit Jan Loboda auf, der einen Tag später seinen 40. Geburtstag feierte und damit gewissermaßen ein ganz besonderes Wochenende vor sich hatte. Verzichten musste man hingegen auf den Kapitän der Vorwoche Max Cejka, der kurzfristig ausfiel und damit eine weitere Lücke im ohnehin stark dezimierten Kader hinterließ.
Im Angriff gab es immerhin einen Rückkehrer: Jakub Šrámek stand wieder zur Verfügung. Doch insgesamt sah es weiterhin düster aus im Löwen-Sturm, der in den vergangenen Wochen stark ausgedünnt war. Leon Decker lief als Kapitän auf, Christof Hradek und Paul Hipetinger kamen aus der „Oans Bee“ der Löwen zur Hilfe. Aus Landshut stieß Julian Lier dazu, sodass den Löwen immerhin drei Reihen zur Verfügung standen – ein Umstand, der in der aktuellen Phase der Saison fast schon als Luxus bezeichnet werden konnte.
Vielversprechend startete das Spiel der Löwen jedoch. Bereits nach 40 Sekunden flog die Trinkflasche des Schongauer Torhüters Daniel Blankenburg vom Tor. Auslöser war Santeri Ovaska, der – bedient von Jakub Šrámek – auf der rechten Seite etwas Platz hatte und den Puck passgenau zwischen Keeper und Pfosten ins Obergeschoss des Tores zum 1:0 setzte. Ein Auftakt nach Maß für die Hausherren. Nur eine Minute und 16 Sekunden später brandete erneut Jubel in der Raiffeisen-Arena auf. Aushilfs-Stadionsprecher Michael Gößl – auch auf dieser Position musste man an diesem Abend auf Ersatzleute zurückgreifen – durfte den zweiten Löwentreffer ansagen. Verantwortlich waren erneut zwei „Aushilfen“: Den Pass spielte Jan Loboda, der geduldig an der roten Linie wartete, bis er Christof Hradek auf die Reise schicken konnte. Dieser war frei durch und traf links an Blankenburg vorbei zum frühen 2:0 und ließ die Zuschauer von einem perfekten Abend träumen.
Im weiteren Verlauf des ersten Drittels hatten die Löwen deutlich mehr vom Spiel. Zwar durfte sich Max Englbrecht im Tor der Waldstädter einige Male zeigen, wenn Schongau doch durchbrechen konnte, doch strahlten die Mammuts in diesen ersten 20 Minuten kaum echte Gefahr aus. Jakub Šrámek sollte noch zwei größere Chancen erhalten, scheiterte jedoch jeweils am stark reagierenden Blankenburg. So gingen beide Teams mit diesem Ergebnis in die erste Pause – aus Löwensicht hochverdient.
Chancen gab es auch in der Anfangsphase des zweiten Drittels. Nach rund vier Minuten liefen Jakub Šrámek und Christof Hradek ein vielversprechendes Zwei-gegen-Eins, doch Hradek vergab die Möglichkeit von rechts am gut stehenden Blankenburg. Je mehr Zeit verging, ohne dass der EHC Waldkraiburg seine Chancen nutzte, desto stärker wurden die Mammuts. Nur Sekunden nach der Chance von Hradek gab es bereits die erste große Möglichkeit der Gäste: Erst verpasste ein Schongauer Spieler vor dem Tor den Pass, anschließend drohte ein Schuss von der blauen Linie Max Englbrecht durchzurutschen. Mit vereinten Kräften und einem geistesgegenwärtigen Felix Lode, der sich zur Sicherung auf seinen Torhüter warf, konnte diese Gelegenheit noch in letzter Sekunde abgewendet werden.
In der 31. Minute war es dann jedoch so weit: Dennis Gulda wartete alleingelassen am rechten Torpfosten, erhielt den Pass von Fynn Wager und musste nur noch den Schläger hinhalten – 2:1. Dass auch die Mammuts „Doppelschlag“ können, zeigten sie weniger als eine Minute später. Grayden Gottschalk lief nach einem langen Pass allein auf Englbrecht zu, der sich entschied, weit herauszufahren. Gottschalk blieb eiskalt und schob ins leere Tor zum 2:2 ein.
Turbulent ging es weiter: Nur 36 Sekunden nach dem Ausgleich meldeten sich die Löwen erneut zu Wort – in Person von Jakub Šrámek. Er zeigte einmal mehr, was gemeint ist, wenn Fans sagen: „Šrámek macht Šrámek-Dinge.“ Von der Mittellinie aus ließ er mehrere Gegenspieler stehen, umkurvte das Tor und schloss schließlich zur erneuten Löwen-Führung ab – ein Treffer der Kategorie „Einzelkunstwerk“. Diese Einzelaktion konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der EHC wieder in alte Muster verfiel. Gerade einmal 19 Sekunden nach Beginn der Strafzeit von Florian Maierhofer war es erneut Grayden Gottschalk, der per Rückhand zum 3:3 traf.
Kämpferisch kann man den Löwen auch im dritten Drittel keinen Vorwurf machen. Sie liefen, arbeiteten und investierten viel Energie, doch blieb vieles durch zu harmlose Abschlüsse oder Abstimmungsprobleme fruchtlos. Ein bezeichnendes Beispiel war die Großchance von Leon Decker sieben Minuten vor Schluss: Aus spitzem Winkel hatte er das leere Tor vor sich, vergab jedoch. Eine Szene, die sinnbildlich für das aktuelle Formtief steht und den Abend der Löwen treffend zusammenfasste.
Da auch bei den Mammuts kein Treffer mehr fallen sollte, ging das Spiel in die Overtime. Dort dauerte es nur etwas mehr als eine Minute, bis Gottschalk seinen dritten Treffer des Abends markierte und den Zusatzpunkt durch den 3:4-Sieg nach Schongau holte.
Der Verlust dieser zwei Punkte wird den Löwen am Ende wohl endgültig den Gang in die Play-Down-Runde bescheren. Es sollte dringend jede mögliche Stellschraube von Trainerteam und Mannschaft hinterfragt werden. Fakt ist: Mit dieser Leistung nimmt das Abstiegsmonster in Waldkraiburg immer mehr Gestalt an – und das mit einer Mannschaft, die man vor der Saison sicher in den Playoffs gesehen hatte. Die Stärke wäre vorhanden. Warum sie derzeit nicht konstant aufs Eis gebracht wird, muss nun schonungslos analysiert werden.
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EHC Waldkraiburg – EA Schongau 3:4 n.V. (2:0, 1:3, 0:0).
Tor: [X] Maximilian Englbrecht (#45), Tobias Sickinger (#32); Verteidigung: #3 Hora, #5 Mertz, #10 Lode F., #20 Rott, #23 Ludwig, #50 Kokeš, #53 Brunner, #90 Loboda; Angriff: #11 Dillmann, #13 Šrámek, #18 Ovaska, #34 Decker, #51 Hradek, #52 Lier, #68 Hipetinger, #74 Maierhofer, #92 Revaj; Tore: 1:0 (1.) Ovaska (Decker, Šrámek); 2:0 (2.) Hradek (Loboda); 2:1 (31.) Gulda (Wager, Krabbat); 2:2 (32.) Gottschalk (Sonne, Zink); 3:2 (32.) Šrámek (Hora); 3:3 (36.) Gottschalk (Sonne, Freidenfelds – PP1); 3:4 (62.) Gottschalk (Krabbat); Zuschauer: 516, Strafen: Waldkraiburg 6 – Schongau 4.











