Der Kader des EHC Waldkraiburg für die kommende Bayernliga-Saison erhält weitere Konturen. Mit Verteidiger Rene Mertz und Angreifer Paul Hipetinger bleiben zwei junge Eigengewächse bei den Löwen, die sich zwar in unterschiedlichen Stadien ihrer Entwicklung befinden, deren Weg aber dieselbe Richtung nimmt: weiter hinein in die erste Mannschaft des EHC Waldkraiburg.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um die Verpflichtungspolitik des Vereins sind diese beiden Personalien durchaus bemerkenswert. Denn bei aller Kritik an externen Neuzugängen und der grundsätzlichen Ausrichtung des Kaders zeigt der EHC Waldkraiburg auch weiterhin, dass junge Spieler aus den eigenen Reihen eine Chance erhalten. Nicht jeder Nachwuchsspieler wird sofort zum Stammspieler. Nicht jeder Weg verläuft gleich schnell. Entscheidend ist jedoch, dass dieser Weg grundsätzlich offensteht.
Rene Mertz ist dabei bereits einige Schritte weiter als Paul Hipetinger. Der 22-jährige Verteidiger kam in Altötting zur Welt und wurde im Nachwuchs des EHC Waldkraiburg ausgebildet. Für seine weitere sportliche Entwicklung wechselte er später zu den Starbulls Rosenheim, wo er zunächst in der U17 und anschließend in der U20 in der zweithöchsten deutschen Nachwuchsliga spielte. Schon während dieser Zeit kehrte Mertz für erste kurze Einsätze zu seinem Heimatverein zurück. In den Spielzeiten 2021/2022 und 2022/2023 absolvierte er jeweils eine Bayernliga-Partie für die Löwen. Mehr als ein vorsichtiges Hineinschnuppern war das damals noch nicht. Die Verbindung nach Waldkraiburg blieb jedoch bestehen. Nach einer weiteren Nachwuchsstation bei den Jung-Eisbären Regensburg führte ihn sein Weg endgültig ins Senioreneishockey. Über den EHC Neuwied kam Mertz zur EA Schongau, für die er in der Saison 2024/2025 insgesamt 21 Bayernliga- und Abstiegsrundenspiele absolvierte. Ein Tor und acht Vorlagen waren dabei eine ordentliche Ausbeute für einen jungen Verteidiger in seiner ersten längeren Saison bei den Senioren. Im vergangenen Sommer kehrte Mertz schließlich fest zum EHC Waldkraiburg zurück. Gerade zu Beginn seiner ersten vollständigen Spielzeit im Löwen-Kader war noch zu erkennen, dass der Übergang vom Nachwuchs- ins Senioreneishockey nicht mit einem einzigen Schritt abgeschlossen ist. Das Spiel ist schneller, die Gegenspieler sind körperlich robuster und Fehler werden deutlich konsequenter bestraft. Mertz stellte sich dieser Aufgabe und gewann im Laufe der Saison zunehmend an Sicherheit. Besonders in der entscheidenden Phase der Spielzeit zeigte sich, dass er nicht mehr lediglich Erfahrungen sammelte, sondern begann, diese Erfahrungen auch gewinnbringend für die Mannschaft einzusetzen.
In den bei HockeyStats dokumentierten Begegnungen der vergangenen Saison kam Mertz auf 16 Punkte aus 32 Spielen. Drei Tore und 13 Vorlagen bedeuteten seine bislang produktivste Spielzeit im Seniorenbereich. Auffällig war dabei insbesondere seine Entwicklung zum Saisonende: In seinen letzten zehn dokumentierten Einsätzen erreichte er einen Punkteschnitt von 0,70 Zählern pro Partie und lag damit deutlich über seinem bisherigen Karrierewert. Natürlich ist ein Verteidiger nicht allein anhand seiner Scorerpunkte zu bewerten. Dennoch zeigen diese Zahlen, dass Mertz im Laufe der Saison mutiger wurde, sich häufiger in das Aufbauspiel einschaltete und auch offensiv zunehmend Verantwortung übernahm.
Mit 1,85 Metern Körpergröße und 85 Kilogramm bringt der Linksschütze gute körperliche Voraussetzungen mit. Gleichzeitig versucht er, Spielsituationen mit dem Puck zu lösen, statt die Scheibe ausschließlich möglichst weit aus der eigenen Zone zu befördern. Dass dabei noch nicht jede Entscheidung gelingt, gehört zu seiner Entwicklung. Mertz ist trotz seiner inzwischen gesammelten Erfahrung weiterhin ein junger Verteidiger. Die vergangene Saison hat jedoch gezeigt, dass er bereit ist, aus Fehlern zu lernen und seinen Platz in der Mannschaft Schritt für Schritt zu festigen.
Während Rene Mertz bereits eine komplette Bayernliga-Saison hinter sich hat, steht Paul Hipetinger noch ganz am Anfang dieses Weges. Auch der 18-jährige Angreifer stammt aus dem eigenen Nachwuchs des EHC Waldkraiburg. In der Saison 2024/2025 lief Hipetinger für die U20 des ESC Dorfen auf und erzielte dort in 25 Spielen zwölf Tore sowie 15 Vorlagen.
In der vergangenen Spielzeit kehrte er nach Waldkraiburg zurück und spielte überwiegend für die zweite Mannschaft der Löwen. In 16 Hauptrundenpartien gelangen ihm sechs Treffer und vier Assists. Hinzu kamen vier weitere Einsätze in den Play-offs. Seinen persönlich größten Schritt machte Hipetinger jedoch in der Bayernliga. Während der Hauptrunde feierte er sein Debüt für die erste Mannschaft. Als sich die personelle Situation der Löwen in der entscheidenden Saisonphase zuspitzte, erhielt der junge Angreifer drei weitere Einsätze in der Abstiegsrunde. Dabei gelang ihm auch sein erster Treffer für die erste Mannschaft. Ein einzelnes Tor macht aus einem 18-Jährigen selbstverständlich noch keinen fertigen Bayernliga-Spieler. Das muss es auch nicht. Für Hipetinger war dieser Treffer dennoch mehr als nur eine nette Randnotiz. Er zeigte, dass der Weg aus dem Waldkraiburger Nachwuchs über die zweite Mannschaft bis in die Bayernliga tatsächlich möglich ist. Genau darin liegt die Bedeutung dieser Personalie. Der mögliche Nachwuchs für die erste Mannschaft ist beim EHC Waldkraiburg aktuell nicht besonders breit aufgestellt. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Spieler nicht nur im eigenen Verein zu halten, sondern ihnen auch eine echte Perspektive zu geben. Eine echte Perspektive bedeutet dabei nicht, einen jungen Spieler vorschnell zum kommenden Leistungsträger zu erklären. Sie bedeutet ebenso wenig, ihm unabhängig von seiner Leistung einen festen Platz in der Mannschaft zu garantieren. Sie bedeutet, ihn regelmäßig mit der ersten Mannschaft trainieren zu lassen, ihm Einsätze zu ermöglichen und ihn Schritt für Schritt an das Niveau der Bayernliga heranzuführen.
Hipetinger muss sich seine weiteren Einsätze durch Trainingsleistung, Einsatzbereitschaft und Geduld verdienen. Dass die Verantwortlichen ihm diesen Weg grundsätzlich zutrauen, haben sie bereits in der vergangenen Saison gezeigt.
Rene Mertz und Paul Hipetinger stehen damit exemplarisch für zwei verschiedene Stufen derselben Entwicklung. Mertz hat den Übergang in die Bayernliga bereits geschafft und soll seinen Platz in der Mannschaft nun weiter festigen. Hipetinger befindet sich noch zwischen zweiter Mannschaft und Bayernliga-Kader und beginnt gerade erst damit, sich diesen Platz zu erarbeiten. Beide Wege brauchen Zeit. Beide Wege werden nicht ohne Rückschläge verlaufen. Und beide Spieler werden sich weiterhin beweisen müssen.
Doch ihre Vertragsverlängerungen zeigen auch: Trotz aller Diskussionen um Namen, Nationalitäten und Neuzugänge verliert der EHC Waldkraiburg seine eigenen jungen Spieler nie aus den Augen.






